Hier findet ihr folgendes:
Der Kippwagenheber entstand, um am Benz
besser arbeiten zu
können.
Auf vielfachen Wunsch eines Einzelnen werde ich hier nun den
Weg von der Planung bis zur Vollendung inklusive Kostenansatz
kurz
erläutern.
Am Anfang eines Projektes steht meistens eine Not und Idee.
Meine Not war, dass ich keine Hebebühne habe. Um diesem
abzuhelfen, habe ich mir gedacht, man müsste das Auto auch
seitlich kippen können - wie beim Wagenheber nur viel
höher. Okay, früher hat man die Autos einfach auf
die Seite auf ein paar alte Reifen gelegt, aber das widerspricht dem
Naturell einer Restaurierung. Es muss doch auch anders gehen. Im
Internet wurde ich dann auch fündig. Es
existieren tatsächlich Kippwagenheber zu relativ hohen
Preisen. Da kam dann doch
wieder der zugereiste Schwabe in mir hoch und ich dachte:
Das
geht auch
preiswerter und selber.
Zuallererst fertigt man sich ne Konzeptskizze an. Praktischerweise gibt es in unserer modernen Zeit und dem Internet kostenlose 3D-Designer, die die Vorstellungskraft unterstützen. Ich hab mir zu dem Zweck Metasequoia runtergeladen, mich eingearbeitet und das kam dabei raus:


Diesen Entwurf zeigt man dann jemand, der sich mit
Hebeln
und Kräften und dem Material auskennt. PAPAAAAAA, guck mal...
Papa guckt und rechnet und verbessert und dann entsteht das:


Dann geht es an die Material-Suche und die Schweißarbeiten. Freundlicherweise hat mich die Firma MANZ - Innovation in Stahl bei Biberach gegen die Bezahlung eines kleinen Entgeldes mit Stahlrohren (6,3 cm Durchmesser und fast 3 mm Materialstärke) und deren Verbiegung unterstützt. Im folgenden kommen jetzt die Details der Konstruktion:
Erstmal der Fahrzeugträger, auf dem die Räder stehen:

Rechts sieht man die Rundungen, über die beim Kippen abgerollt wird. Der schwarz-orange Spanngurt mit Ratsche wird um die Rohre gewickelt und verspannt und dient der weiteren Stabilisierung, wenn das Auto draufsteht.

Dieser Bügel wird in die Rohre gesteckt und verschraubt. An ihm wird dann auch angehoben. Das ganze ist deswegen so "kompliziert" aufgebaut, damit man den Wagenheber auch zerlegen und transportieren kann.
Der Kranarm ist wie folgt aufgebaut:

In Blau der Kettenseilzug (Hubkraft 1 Tonne). Er hängt am Stahlseil (Tragkraft weit über 3 Tonnen), das die Biegekräfte in reine Zugkräfte in Längsachse der Kranarms verwandelt. Das Seil ist unten am Kranarm angebracht und wird oben umgelenkt.

Hier sieht man auch ein weiteres Detail sehr schön. Die Sicherungsseile rechts und links verhindern ein Wegrutschen und Verdrehen des Kranarms. Hier nochmal im Detail:

Warum so kompliziert, das Seil kann man doch ein einfach durch das Rohr vom Kranarm stecken? Ja kann man, doch wenn da 2 Tonnen Auto draufstehen, dann kann es passieren, dass das Seil im Rohr verruscht, der Kranarm verdreht sich und alles fällt in sich zusammen. Ist zum Glück nicht passiert, war aber kurz davor, deswegen diese Verbesserung.
Ein weiteres Detail ist die Führungsschiene. Diese ist zwingend nötig, damit der Fahrzeugträger nicht zu einer Seite wegrutschen kann und das System dadurch nicht instabil wird:

Und das ganze von oben:

Und folgendes Bild kennt ihr schon vom Fiat. Es zeigt sehr gut, dass der Wagenheber am lebenden Objekt tadellos funktioniert:

1: Drehpunkt und Befestigung der Sicherungsseile (rote Striche)
2: Führungsschiene und Kettenseilzug
3: Spanngurt mit Ratschenspanner zur
zusätzlichen Stabilisierung des Fahrzeugträgers
Der
ganze Aufbau des Kippwagenhebers bildet ein
Kräftedreieck und
ist in sich stabil. Ausser zu Beginn der Hebearbeiten. Der Mast
möchte hier in Richtung Auto kippen. Das verhindert man
entweder
durch eigene Körperkräfte (bei dem
anfänglichen Hebel
durch den Kranarm eigentlich kein Problem) oder man setzt zu Beginn der
Hebung eine Stützstange ein, die dann wieder entfernt wird. Ab
einer gewissen Hubhöhe stabilisiert sich der Wagenheber
selber.
Kosten:
Stahlrohre und deren Verbiegung: 150 Euro
1t-Kettenseilzug ausm Baumarkt: 69 Euro
Stahlseile, Stahlseilklemmen, Ratschenspanngurt: 30 Euro
Gesamtkosten
also um die 250 Euro (Neu oder gebraucht im Netz um die 600 Euro und
drüber).
Ich
hoffe es ist einigermassen verständlich geworden. Die Arbeit
unter
dem Auto ist jedenfalls jetzt sehr gemütlich, man setzt sich
einfach im Schneidersitz drunter, kein Dreck fällt ins Gesicht
und
man kann ganz bequem arbeiten.
An dieser Stelle möchte ich euch die Hebebühne für Arme vorstellen.
Wer
- wie ich - immer davon genervt ist, dass unter dem Auto zu wenig Platz
zum schrauben ist wenn man diese Miniwagenheber nutzt, der kann sich ja
mal so eine "Hebebühne" leicht selber bauen.
Was braucht man? Langes Stahlrohr, ein paar Stahlstücke und einen großen Wagenheber oder einen sog. Farm Jack.
Und so gehts nicht:

Das war die erste Idee: Eine Reifenkralle, aufgesteckt auf den Farm Jack, die das Auto an einer Seite richtig hochhebt und dann was drunter. Funktioniert leider nicht, da aufgrund der verschiedenen Richtungen, in denen die Hebelkräfte wirken, der Farm Jack immer weggedrückt wird (siehe Kräftedreieck Kippwagenheber). Aber es war eine schöne Übung zum Schweißen und man könnte es zur Not als moderne Kunst verkaufen um das Auto zu finanzieren ;-)
Nächste Idee:

Wieder der Einsatz des Farm Jacks (bei Ebay für umme 45-50 Eus). Mit dem kann ich die Karre auf knapp nen Meter hochbocken. Natürlich immer wechselseitig, sonst kippt die Sache irgendwann in eine Richtung. Sieht im Detail so aus:

Oben die Aufnahme für den Gummipuffer der beim Benz schon am Auto ist, die Verbreiterung, damit das Ding sich nicht in irgendeine Richtung wegdrehen kann und rechts einfach die Aufnahme für den Farm Jack reingeflext. Jetzt kann man ein bis zwei Rasten hochfahren, Stütze drunter, auf die andere Seite, ein bis zwei Rasten hochfahren, Stütze drunter usw... Auf diese Weise kommt man schnell auf eine Höhe, bei der das Arbeiten unter dem Fahrzeug wieder Spaß macht und nicht so beengt ist:


Und die Stützen sind erst auf niedrigster Stufe!!!! Da ist noch viel Platz nach oben!!!
Aber dürfte nix passieren, ich hab wie ein Bekloppter in allen Richtungen an dem Auto gewackelt und gezogen, hat sich aber überhaupt nicht bewegt mit seinen knapp 2 Tonnen.
Also hervorragende Vorraussetzungen um das Hinterachsmittelstück zu wechseln.
Ach ja, noch ein paar Worte zu den Kosten:
- Farm Jack: 45-50 Euronen
- Stahlrohr, Stahlstücke: ca. 10-15 Euros (je nachdem wo man kauft und wen man kennt ;-)
- Stützen: 2 Stück für 14 Eus mit Versand beim Ebay-Mann
Also unter 100 Euros und absolut Garagentauglich.